Premierenbericht "Mein Freund Harvey"
Vom Glück, weiße Kaninchen zu sehen
343 Temple Street ist ein gute Adresse. Veta Louise Simmons und ihre Tochter Myrtle Mae könnten in dem vornehmen Haus ein angenehmes Leben führen, wenn da nicht Onkel Elwood wäre. Oder besser: Sein Freund Harvey. Der geht Veta und ihrer halbwüchsigen Tochter mächtig auf die Nerven. Kein Wunder: Harvey ist ein knapp zwei Meter großes weißes Kaninchen. Nur Onkel Elwood kann es sehen. Irgendwann reicht es Veta und sie beschließt, Elwood in ein Sanatorium einzuliefern. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse. | ||
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Etwa 250 Zuschauer kamen am Samstag zur SPUNCK-Premiere von „Mein Freund Harvey“ nach Barmbek. Im ausverkauften Theatersaal der Kulturbühne Bugenhagen verfolgte das Publikum gespannt den hintergründigen Schwank um Elwood, Harvey und die Frage, was eigentlich normal ist. | ||
Die SPUNCK-Crew um Regisseur Michbert Scheben brachte das Werk der Pulitzer-Preisträgerin Mary Chase mit viel Humor und Liebe zum Detail auf die Bühne. Diese war ganz im spröden Charme der 50er Jahre gehalten: Okkafarbene Retrotapeten schmückten den Salon und der Tigerteppich erinnerte nicht von ungefähr an den Silvesterklassiker „Dinner for One“. Für Überraschung und Szenenapplaus sorgte der Auftritt von Sängerin Petra Nodoph-Kansier und ihren drei sonnenbebrillten Jungs mit Elvisfrisur und Blues Brothers-Appeal. Hauptdarsteller Herbert Schlaug eroberte als gutmütiger und stets lächelnder Elwood die Herzen der Zuschauer. Dass er die ein oder andere Lücke im Text mit Humor meisterte, machte ihn erst Recht zum Publikumsliebling. | ![]() | |
Auch Wanda Huhn überzeugte als affektierte und spießige, aber im Grunde doch herzensgute Veta Louise Simmons. Wie die englische Lady angesichts der Verwicklungen immer wieder um Fassung rang, war großartig. Und die neurotische Psychiaterin Dr. Wilma Chumley alias Antje Gödeke sorgte mit ihrer hektischen Art für das nötige Tempo auf der Bühne. Am Ende aber lag Frau Doktor selbst auf der Couch. | ||
![]() | Auch die Romantik kommt im neuen SPUNCK-Stück nicht zu kurz, denn Liebe und Irrsinn liegen bekanntlich nah beieinander. Das Klinikpersonal erschien so auch besonders anlehnungsbedürftig. Skurril: Die schüchterne Schwester Rose (Martina Düvelmeyer) und der eitle Assistenzarzt Dr. Lymann Sanderson (Harald Stubbe). Auch Myrtle Mae (Svenja Link) bekam mit Pfleger Marvin Wilson (Jens Köhler) schließlich den lang ersehnten Verehrer an die Seite. Den größten Auftritt aber hatte Harvey selbst, obwohl das Publikum das Riesenkaninchen nie zu Gesicht bekam. Oder doch? Finden Sie es heraus! Am Besten halten Sie sich dabei immer an Elwoods Rat: „In dieser Welt muss man kampflustig sein oder friedfertig! Jahrelang war ich kampflustig. Ich rate allerdings zur Friedfertigkeit. Sie können mich zitieren.“ Was hiermit geschah. | |






