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Premierenbericht Otto Puttel

(aus dem Otto Intranet)

Spunck brilliert mit realitätsnaher Ironie

Frenetisch beklatschten die Zuschauer vergangenen Freitag, 1. Dezember, die dreistündige, ausverkaufte Premiere von „Das Otto Puttel Projekt“ im Theatersaal der Bugenhagenkirche. Mit drei Vorhängen und begeisterten Jubelrufen belohnten sie die seit 1993 aktive Spunck-Truppe unter Leitung von Birgit Bischoff. Dabei bewiesen die Otto Group Mitarbeiter im Publikum vor allem eines: Sie können über sich selbst lachen, bekamen sie doch einen ungetrübten Spiegel des eigenen Büroalltags vorgehalten.

„Ich bin total begeistert, das war super“, meinte Angelika Attia nach der Vorstellung. Sie hatte ihrer Schwester Veronika Radde aus der IT, die im Stück als Sachbearbeiterin Barbara Zeisig auf der Bühne stand, die Daumen gehalten. „Das war einfach klasse“, freute sich Michael Picard, OTTO-Personaldirektor, und rieb sich die vom vielen Klatschen schmerzenden Hände. „Es war super“, stimmte Thomas Voigt, Direktor Kommunikation und Politik, in die Lobeshymnen ein.

Dass für das Spunck-Stück „Otto Puttel“ alles gut wird, da waren sich die Mitglieder der Theatertruppe vor der Premiere nicht so sicher. „So nah am Alltag und dem eigenen Arbeitsplatz, das war schon ein Risiko“, meinte Birgit Bischoff aus dem Lektorat erleichtert nach dem Premierenerfolg. „Wir hatten ziemliche Angst vor einem Flop“, bestätigte Veronika Radde.

Dass für Otto Puttel alles gut wird, war von vornherein klar. Schließlich diente das Märchen „Aschenputtel“ als Vorlage, und Märchen gehen bekanntlich meist gut aus. Aber ein Otto-Märchen, genauer gesagt ein Otto Group Märchen, schickt Akteure und Zuschauer eben auf eine ganz eigene, auf eine Otto-Reise.

Auffällig waren die gekonnt eingebrachten Zitate aus Film und Fernsehen, mit denen zum Beispiel à la Sendung mit der Maus gleich zu Beginn in den Plot eingeführt wurde: Das ist die unfähige Fee 171 (Jens Köhler – ein echter Hingucker in Frauenkleidern!). Sie bekommt vom neuen Engel & Fee Konsortium alias Birgit Bischoff, Stefanie Raulfs, Roland Spanka (die zwei „Menschenhilfe-Fachbereiche“ hatten gerade GPO durchlaufen und mussten fusionieren) die letzte Chance, Fee zu bleiben: 171 soll den Otto Mitarbeiter Otto Puttel (Altmeister Michbert Scheben, der auch privat viel auf der Bühne steht) auf den richtigen Pfad bringen – „klingt komisch, ist aber so“.

Bis alle Schauspieler am Ende in das Lied „Leidenschaft“ einstimmen konnten, kämpfte sich der verklemmte Otto Puttel, der seit 34 Jahren das Büro nicht verlässt und in einer Schreibtischschublade schläft, durch das Abenteuer „Arbeiten bei Otto“. Bereits die Kulisse mit eng gestellten Schreibtischen und Stellwänden auf einem Planquadrat der Großraumfläche („Wo geht es hier denn bloß wieder raus?“) war ein echtes Highlight, genauso wie die brandaktuell gestalteten Plakate und Katalogcover (mit dem neuen Titelmädchen „Eva Bündchen“) und die wie ein Heiligenschrein gehüteten Habseligkeiten der Kolleginnen (allen voran das gemeinsame Foto mit dem verehrten Firmenchef). Mit viel Liebe zum Detail haben die Regisseure Michbert Scheben, Kambis Nassiri und Roland Spanka genau hingesehen, als sie das Alltägliche in die vermeintliche Fiktion übertrugen.

Das Stück lebte vor allem von den überzeichneten Nebenfiguren in Puttels Umfeld: Abdul Kaiser (der unvergessene „rappende“ Kambis Nassiri im leuchtenden „Lager Fuzzi“-T-Shirt), deckt subversiv die Missstände im Büroalltag seines besten Freundes Puttel auf. Eine Süßigkeiten-Verteilerin, eine ewig kränkelnde Hypochonderin, eine schwatzsüchtige Tierliebhaberin, eine dänische Teefanatikerin, eine verarmte Landadelige, eine sonnenbebrillte Modetussi, eine karriereorientierte Arbeitsverteilerin mit führungskräfteorientierter Libido (Bianca Badura, Christa Dunker, Antje Gödeke, Wanda Huhn, Christel Schlaug, Sabina Stubbe, Martina Harms) oder ein sinnfrei effizienzbegeisterter Direktor mit mitarbeiterinnenfokussierter Libido (Michbert Scheben) pflegten ihre Marotten und Animositäten. Ein „Cola-light-man“ (Marten Voigt) versüßte den tristen Alltag.

Sehr humorvoll nahmen die Schauspieler/innen Führungsverhalten, Konzernstrategien und Büro-Stereotypen aufs Korn und stellten dabei auch unter vollem Körpereinsatz ihr Gesangstalent unter Beweis. Die ironischen Bezüge zum „wahren“ Otto-Leben waren natürlich beabsichtigt. Kein Wunder also, dass in der Pause und nach der Vorstellung einige Zuschauer lachend meinten: „Ein bisschen überzeichnet, aber sonst: hab ich alles schon erlebt.“ Immer wieder brandete heftiger Szenenapplaus auf, und herzhafte Lachsalven bewiesen, dass Spunck mit seinen humoresken Attacken direkt ins Herz des Publikums traf.

Fazit: Ein rundum gelungenes Stück, das nicht nur für Ottonen einen amüsanten Abend garantiert.

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